
Auf der vierten, von Wikimedia Deutschland unterstützten, Wizards of OS-Konferenz in Berlin hat Larry Sanger das Konzept einer von ihm angedachten neuen freien Online-Enzyklopädie vorgestellt. Diese hört – abgeleitet von “Citizen Compendium” auf den Namen Citizendium.
Am zweiten Tag der Konferenz sprach Sanger als Teilnehmer der Podiumsdiskussion “Quality Management in Free Content” über die Probleme der Wikipedia und wie er diese mit seinem Fork lösen möchte.
Als Hauptproblem sieht er die Anonymität und die fehlende Verantwortlichkeit der Autoren an – dies versucht er beim Citizendium durch Realnamen-Pflicht und E-Mail-Adressen-Angabe zu schmälern. Die wichtigsten Regeln sollen kurz in einer Charta festgehalten werden und deren Grundidee soll von “Wachtmeistern” durchgesetzt werden, die bei Verstoß Autoren auch “entfernen” können – ähnlich wie Administratoren in der Wikipedia.
Die Diskussion über “kurze Richtlinien” vs. “umfangreiche Auflistung von Erlaubtem/Verbotenem” gibt es in der Wikipedia auch schon seit Ewigkeiten. Jüngstes Beispiel dafür war der Streit um die Löschung der Relevanzkriterien.
Apropos Wachtmeister – die Rollen sollen im Citizendium deutlich ausgeprägter verteilt sein, als in der Wikipedia. Hauptgruppen sind hier die erwähnten Wachtmeister, die Autoren und reine Redakteure, die u.a. auch Unstimmigkeiten zwischen den Autoren verhindern sollen.
Aber nicht alles an der Wikipedia – die Sanger ja (mit) ins Leben gerufen hat – ist verkehrt. Als Software für das Citizendium soll MediaWiki genutzt werden. Der neutrale Standpunkt (NPOV) und der Verzicht auf Original Research sollen beibehalten werden.
Um eine Ausgangsbasis zu schaffen, ist für den Anfang die umfangreiche Übernahme von Wikipedia-Artikeln in das Projekt geplant – dies führt allerdings dazu, dass das Cizizendium ebenfalls als Lizenz die ungeeignete GNU-Lizenz für freie Dokumentation (GFDL) wählen muss.
Das Thema ist momentan recht heiss: Mathias Schindler schreibt bei Readers Edition, heise und golem haben Meldungen gebracht und auch die Blogosphäre berichtet. Damit darf man guten Gewissens vermuten, dass morgen einige Zeitungen nachziehen.
18. September 2006 um 10:22 Uhr
[...] Jedoch ist dies sicher nicht das Ende des Wikis wie es Robert A. Gehring bei Golem.de vermutet. Die Ankündigung wird in den Netz-Medien wie heise.de, zwei mal auf Readers Edtion und der Blogsphäre kritisch betrachtet. Man darf sicher sein das http://citizendium.org weiter kritisch beobachtet wird. [...]
24. September 2006 um 19:05 Uhr
[...] Bei Wikipedistik bin ich auf einen interessanten Hinweis zu Citizendium gestoßen. [...]
13. Dezember 2006 um 00:57 Uhr
[...] Tim Bartels fasst in seinem Wikipedistik-Blog die Meldungen zum geplanten Konkurrenz-Projekt Citizendium des ehemaligen Wikipedia-Mitbegründers Larry Sanger zusammen. Anspruchsvoller soll es sein und mit einem durchdachten System der Qualitätssicherung. Wir werden sehen. Stösst es, wie Bartels am Freitag vermutete, auf ein grosses Medienecho? Selber nachlesen bei Google News… [...]
23. Januar 2007 um 21:42 Uhr
[...] Im September letzten Jahres schrieb ich über Larry Sangers Vision einer besseren freien Enzyklopädie: Citizendium: Wikipedia 2.0? Bereits in den letzten Tagen rumorte es vor sich hin. So kündigte Sanger an doch keinen Wikipedia-Fork erstellen zu wollen. [...]