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PC-Tower

Wer in den letzten 15 Jahren versucht hat, Wikipedistik aufzurufen, ist auf einer leeren Seite gelandet. Doof. Das ist leider bei älteren Blogs keine Seltenheit (siehe auch die Blog-Links auf der rechten Seite…).

Und das, obwohl wikipedistik.de zu seinen besten Zeiten ganz ordentliche Zugriffszahlen hatte und der ein oder andere Beitrag durchaus für Diskussionen gesorgt hat. Dass es hier ab 2011 ohnehin ruhiger wurde, hatte auch andere Gründe – ich war damals „anderweitig beschäftigt“.

Jetzt ist es aber wieder da. Und hier auch der Hintergrund dazu, als vorerst letzter Beitrag an dieser Stelle. Aber mit meiner Hoffnung, dass vielleicht auch andere digitale Geschichte(n) auf ähnliche Weise bewahren können.

Die Vorgeschichte: Ein gehacktes WordPress
Irgendwann hat es ganz klassisch auch mein WordPress erwischt. Über ein veraltetes Plugin kam jemand rein und plötzlich hatte ich die gesamten Kommentare und auch Links innerhalb der Blog-Beiträge voller SEO-Spam – und, deutlich unangenehmer, eine Backdoor, die beliebigen Code auf dem Server ausführen konnte.

Ich hatte damals durchaus versucht, Wikipedistik zu retten. Den Spam entfernt, verdächtige Dateien gelöscht, hier und da geflickt. Allerdings war die erwähnte Backdoor hartnäckig: Als ich dachte, dass alles sauber ist und den Blog wieder live geschaltet habe, war der Spam unmittelbar wieder da.

Der Aufwand war dann einfach nicht mehr zu rechtfertigen – und ich habe Wikipedistik schweren Herzens offline genommen. Und da blieb es dann auch. Bis gestern.

Der zweite Anlauf mit Hilfe von AI
Gestern habe ich dann mal einen neuen Versuch gewagt. Ich mache aktuell privat recht viel mit Claude (der KI von Anthropic) – siehe dazu auch die Story über mein Homelab.

Ich habe das alte Backup von damals (inklusive Spam und Backdoor) Claude übergeben, kurz den Background beschrieben und gebeten:

mein wunsch: das ganze mal zu reaktivieren, zu säubern, auf eine aktuelle version zu bringen, die alten seiten/einträge wiederherstellen, und vielleicht auch mal wieder in zukunft was zu bloggen.

Darauf folgte eine einzige Session von knapp unter einer Stunde.

In dieser Stunde ist erstaunlich viel passiert: Claude hat Zugriff auf die alte Datenbank bekommen, die Inhalte gesichtet und übernommen. Den Spam in den alten Sicherungsdateien identifiziert und entfernt – und genauso die Backdoor (inklusive der Stelle, über die sie überhaupt eingeschleust wurde).

Worüber ich mir zunächst keine Gedanken gemacht hatte: Ein Problem war, dass nicht nur die Daten, sondern auch die gesamte Umgebung schlicht 15 Jahre alt war…

Das Problem: 15 Jahre Bitrot
Ein Backup wieder restoren ist das eine. Aber das Web von damals ist nicht das Web von heute. PHP hat sich in den letzten 15 Jahren (gottseidank) ziemlich weiterentwickelt. Dinge, die früher eine Warnung waren, sind heute ein Fatal Error, der dazu führt, dass die ganze Seite nicht mehr rendert.

Dazu kommt, dass mein altes Theme munter Funktionen aus Plugins aufrief, die es längst nicht mehr gibt (st_the_tags() oder dates_to_remember() kennt heute keiner mehr, mein Theme allerdings schon).

Die alten Plugins wieder ausgraben funktioniert nicht: Die sind teils tot, teils unsicher (und ich wollte ja gerade weg vom alten, kompromittierten Code). Mit Claude hab ich dann eine elegantere Lösung verfolgt: ein frisches, aktuelles WordPress (7.0) mit meinem unveränderten Original-Design – und ein durch Claude geschriebenes „Polyfill“-Plugin, das genau die fehlenden Funktionen der verschwundenen Plugins nachbaut.

So läuft das 15 Jahre alte Theme wieder problemlos auf moderner Software, ohne dass auch nur eine einzige der alten, verseuchten PHP-Dateien wiederverwendet wurde.

Und es hat geklappt: 176 Beiträge und 779 Kommentare sind wieder da, die alten Permalinks funktionieren (auch wenn die meisten Links auf die Seiten vermutlich innerhalb der letzten 15 Jahre dann doch irgendwann entfernt wurden 😀), das Design ist wie früher. Dazu ist das ganze sauber abgesichert, es gibt ein aktuelles HTTPS-Zertifikat und automatische Backups.

Wie es weitergeht
Ich freue mich ehrlich, dieses Stück (auch persönlicher) Geschichte wieder zugänglich zu haben. Und ich gebe zu: Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, dass ich durchaus wieder Lust habe, über ein paar Dinge zu schreiben und das zu teilen.

Der vorige Beitrag ist so ein Beispiel – den hatte ich zunächst auf Medium veröffentlicht und dann heute hierher umgezogen. Denn am Ende ist mir Self-Hosting deutlich lieber als Medium & Co.: Es ist mein Text, auf meiner Seite, auf meiner Hardware, unter meiner Adresse.

Gut möglich also, dass „hier“ in näherer Zukunft wieder etwas erscheint. Aaaaber: Seien wir ehrlich, wir haben uns im Web in 15 Jahren dann doch ein Stück weiterentwickelt – und das sieht man nicht zuletzt am Design dieses Blogs.

Dieses hier lasse ich aus historischen (und ein bisschen nostalgischen) Gründen aber nun sehr gern genau so bestehen und im Zugriff. Neue Beiträge werde ich aber eher in einem neuen Design und unter einer anderen Adresse veröffentlichen. Wenn es soweit ist, hinterlasse ich hier aber einen Hinweis.

Fazit
Was bleibt: Die Freude darüber, dass es jetzt die Möglichkeit gibt, so eine Aktion mit Hilfe von AI in einer Stunde umzusetzen – statt alleine ein weiteres frustrierendes Wochenende zu investieren, wo das Ergebnis nachher dann doch ins Wasser fällt. Was vor Jahren schlicht am Aufwand gescheitert ist, war diesmal eine knapp einstündige Session.

Manchmal ist die Zukunft dann eben doch ganz nett.

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