
Am 26. Januar 2006 schrieb ich den Beitrag Die gedruckte Wikipedia kommt! über die Pläne der Zenodot Verlagsgesellschaft, die Wikipedia in 100 Bänden zu drucken.
Diese Projekt wurde allerdings für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt, da das Interesse an diesem Projekt nicht ausreichte.
Etwas weniger ambitioniert, dafür aber sichere Sache, ist das Wikipedia-Lexikon in einem Band. Das einbändige Print-Nachschlagewerk des Bertelsmann Lexikon Institut ist ab September 2008 zum Preis von 19,95 Euro im Buchhandel erhältlich.
Dafür erhält man 1.000 Seiten mit den 50.000 am häufigsten genutzten Lemmata der Wikipedia, die anhand der Seitenzugriffe der deutschsprachigen Wikipedia bestimmt wurden. Die entsprechenden Daten stammen aus einer Auswertung der Statistiken von Domas Mituzas, die uns bereits den lang ersehnten Artikel-Zähler beschert haben. Etwas genauer wird die Auswahl von Mathias in der Mailingliste der deutschsprachigen Wikipedia erklärt.
Die Planungen an diesem Werk gehen übrigens bis in das Jahr 2004 zurück. Wenige Monate nach Gründung des Wikimedia Deutschland e.V. legte Mathias, dem das Projekt als Freund bedruckter toter Bäume sehr am Herzen liegt, eine entsprechende Seite in der Wikipedia an.
Die Umsetzung dieser Idee ist lange fällig und aus verschiedenen Gründen zu begrüßen.
Im Vergleich zu Brockhaus, die sich aus dem Print-Bereich zurückziehen wollten (sich allerdings inzwischen wieder anders geäußert haben), scheinen die Erfahrungen bei Bertelsmann anders gelagert zu sein.
Verlagsleiterin Dr. Beate Varnhorn meint dazu:
Also, im Gegensatz zu Brockhaus bewerten wir den Markt für Print-Lexika weiterhin positiv. Wir verzeichnen konstant gute Verkaufszahlen, vor allem im Bereich der ein- bis dreibändigen Lexika und können auch nur beobachten, dass das Angebot an diesen Lexika in den letzten Jahren tatsächlich gestiegen ist. Das zeigt, denke ich doch deutlich, dass beide Lexikon-Formen ihre Berechtigung haben. Online-Lexika ebenso wie Offline-Lexika, die klassischen Lexika ebenso wie die user-generierten Lexika.
22. April 2008 um 12:32 Uhr
Hi!
Hast Du ne Quelle für das Zitat der Verlagsleiterin?
Danke!
22. April 2008 um 12:42 Uhr
Klar: hier.
22. April 2008 um 13:22 Uhr
[...] Wikipedistik: Das Wikipedia-Lexikon in einem Band [...]
22. April 2008 um 13:45 Uhr
Wikipedia jetzt auch Offline…
Die Online Enzyklopädie Wikipedia wird vom Bertelsmann Lexikon Institut nun in einem Band herausgebracht, dem Wikipedia Lexikon. Dies wurde jetzt auch in einer Pressemitteilung von Bertelsmann bestätigt. Zum Preis von EUR 19,95 ist das Lexikon ab Sep…
22. April 2008 um 16:22 Uhr
abzockerbude mehr micht
22. April 2008 um 16:29 Uhr
Ich glaube, dass sich der Einbänder gut verkaufen wird. Das allg. Interesse an der Wikipedia ist hoch und trotzdem hat so ein Buch etwas viel reelleres als das man es im Web darstellen könnte. Zudem ist der Preis mit 19,95 für 1000 Seiten vollkommen in Ordnung.
23. April 2008 um 00:22 Uhr
[...] aktuell der frisch angekündigte Einbänder ganz intensiv diskutiert wird und ich eigentlich wenig Lust habe, die ganzen Diskussionen zu verfolgen, hinterlasse ich [...]
23. April 2008 um 14:42 Uhr
habe mir bereits die offline version von wikipedia-offline auf meinen iphone gezogen. eine tolle sache
26. April 2008 um 21:13 Uhr
Letztlich passiert das, wovor sich die Wikipedia – Community schon immer gefürchtet hat: Die Kommerzialisierung der Marke und der Idee. Wissen muss frei sein, frei zugänglich. Klar, die Inhalte der Wikipedia zu verwenden, steht jedem frei. Auch Geld damit zu verdienen ist erlaubt. Aber ich wünsche mir, dass sich die Community gegen das Projekt wehrt und Bertelsmann dann, um die Massen zu besänftigen, für jedes verkaufte Exemplar ein Weiteres an eine Schule spenden muss: Damit Wissen wirklich frei wird.
27. April 2008 um 08:39 Uhr
Es ist immer schwierig zu schreiben, wie “die Wikipedianer” (mittlerweile eine sehr inhomogene Gruppe) eine Thema sehen. So wäre vor wenigen Jahren die Behauptung “die Wikipedianer haben das Ziel, die Wikipedia zu drucken” sicherlich korrekt gewesen – inzwischen könnte man das für die Masse vermutlich nicht mehr guten Gewissens behaupten.
Nach meiner Auffassung (möglicherweise bewegen wir uns ja auch in unterschiedlichen Teilen der WP) wird das Projekt des Einbänders von der Mehrheit der Wikipedianer positiv aufgefasst – es ist ja auch ein seit ewigen Zeiten angedachtes Projekt. Ich habe allerdings auch schon Kritik von Wikipedianern, deren Artbeit ich schätze, gesehen. Aber überwiegend habe ich Kritik nur von Seiten der Berufskritiker und Vereinsbasher wahrgenommen.
Die geschützte Marke und das Logo wurden – je nachdem was man unter dem Wort versteht – schon immer “kommerzialisiert”. Durch Lizenzierung an unterschiedliche Lizenznehmer fließt schon seit einigen Jahren eine kleine, aber nicht zu vernachlässigende Summe an die WMF, um so zusätzlich zu den Spenden eine Finanzierung der Wikipedia und weiterer Aktivitäten zu ermöglichen.
Die Idee einer zusätzlichen Spende eines Lexikons an eine Schule (wie es bspw. Zenodot plante) ist natürlich eine super Sache, die ich sofort unterstützen würde – für einen (rein) marktwirtschaftlich agierenden Konzern aber wohl eher keine Alternative.
Grundsätzlich sehe ich es so, dass der Einbänder die Ziele der Wikipedia – Wissen zu verbreiten – fördert. Dazu bedient er sich der frei lizenzierten Inhalte der Wikipedia. Dies ist IMHO aus mehreren Gründen (die ich ja auch im Artikel nannte) zu begrüßen.