
“Ab jetzt findet alles online statt.”
Gestern auf dem 13. Kölner Webmontag habe ich von Torsten Kleinz die Nachricht erfahren: Brockhaus zieht sich aus dem Print-Bereich zurück und stellt die kompletten Inhalte ab dem 15. April kostenlos ins Netz.
1809 erschien die 1. Auflage des Konversationslexikons in 8 Bänden “Conversations-Lexicon oder kurzgefaßtes Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und Künsten vorkommenden Gegenstände”, dass den Grundstein für die enzyklopädische Verlagstätigkeit von BIFAB legt.
2005 bis 2006 – fast 200 Jahre später – erschien die 21. Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden, die wohl keinen gedruckten Nachfolger mehr erhalten wird.
BIFAB kündigte gestern an, dass die 21. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie voraussichtlich auch die letzte war. Aufgrund von Verlusten im Jahr 2007 in der Größenordnung von mehreren Millionen Euro sollen auch etwa 50 Stellen abgebaut werden. Momentan werden rund 450 Mitarbeiter beschäftigt.
Während von Seiten Brockhaus der Name Wikipedia nicht genannt wird, so fällt doch auf, dass Klaus Holoch hervorhebt, dass das (zukünftige) Onlineangebot “genaue, relevante, geprüfte und nicht manipulierte Informationen” bieten soll.
Als Geschäftsmodell setzt die BIFAB-Vorstandsfrau Marion Winkenbach auf “Werbevermarktung im Zusammenspiel mit vielen Content-Partnern und einem exklusiven Medienpartner”.
Link: Börsenblatt-Interview mit Marion Winkenbach und Sigrun Albert
PS: Es überrascht mich, dass Robert und mehrere andere Blogs zwar das Onlinestellen der Inhalte kommentieren, nicht aber die Einstellung der gedruckten Enzyklopädie, was ich persönlich für die interessantere Nachricht halte. Das Literatur-Café sorgt hingegen für schlechtes Gewissen bei arbeitsplatz-zerstörenden Wikipedianern.
12. Februar 2008 um 10:24 Uhr
[...] Ja, ist richtig, man sollte wohl explizit erwähnen, dass Brockhaus nicht mehr auf totem Holz erscheinen wird. Finde ich persönlich nun nicht so [...]
12. Februar 2008 um 11:25 Uhr
[...] Brockhaus wird eingestellt. Also der gedruckte. In Zukunft also nur mehr im Internet. Das ist wohl die logische Konsequenz auf [...]
12. Februar 2008 um 13:34 Uhr
[...] soll nicht mehr auf Papier erscheinen. Die 21. Ausgabe wird voraussichtlich die letzte sein, meldet Wikipedistik. Nach Millionenverlusten will der Herausgeber-Verlag BIFAB sein Geschäft mit der Enzyklopädie nun [...]
12. Februar 2008 um 14:37 Uhr
Hi Tim,
bei einer kleinen Recherche ob dein Artikel so stimmt bin ich auf die Information gestoßen, dass es den Buchband auch weiterhin noch geben wird, der Schwerpunkt jedoch aufs Internet gesetzt wird:
Brockhaus wird seine Wissensangebote auch künftig für alle Trägermedien – vom Buch bis hin zu mobilen Anwendungen aller Art – anbieten und wird auch weiter die klassischen Buchkunden bedienen. Für die Zukunft rechnet der Verlag aber mit einer noch stärkeren Verlagerung der Kundennutzung in das Internet.
http://www.brockhaus.de/p...il.php?nid=17&id=537
Gruß,
Pablo
12. Februar 2008 um 14:49 Uhr
[...] Stimmen zum Thema: Robert Basic, Till Achinger, Wikipedistik, [...]
12. Februar 2008 um 14:54 Uhr
[...] wikipedistik Social Bookmarks: Posted in News Leave a Reply [...]
12. Februar 2008 um 14:57 Uhr
Hi Pablo. “Die Presse” zitiert “einen Unternehmenssprecher” (das kann eigentlich nur Klaus Holoch sein) wie folgt: “Die 21. Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie war voraussichtlich die letzte – ab jetzt findet alles online statt.”
Interessant ist dazu auch die Antwort von Marion Winkenbach auf die zweite Frage im verlinkten Interview. Von der BE 22 ist hier nicht die Rede, sondern nur von Spartenlexika und anderen Titeln.
Der Pressemitteilung von BIFAB ist zu entnehmen: “Die Brockhaus-Redaktion in Leipzig wurde im vergangenen Jahr folgerichtig in eine reine Online-Redaktion umgewandelt.”
12. Februar 2008 um 15:35 Uhr
Falls mit “andere Blogs” auch meiner gemeint war: Ich wusste das gestern so noch nicht. Dabei habe ich zwei Quellen geprüft und darauf vertraut, dass deren Inhalte vollständig seien. Das war ein Fehler (leider).
12. Februar 2008 um 15:44 Uhr
Matthias: Das ist ja dann eine gute Erklärung :-). Aber bei mehreren Autoren (z.B. bei Robert) ist es so, dass diese die Online-Öffnung des Brockhaus für interessanter halten, als die Einstellung des Print-Werks. Das verwunderte mich, da ich es genau andersherum gewichten würde.
12. Februar 2008 um 17:25 Uhr
Es ist beunruhigend, dass das gesammelte Wissen nicht mehr gedruckt vorliegt und im Falle von Stromausfall oder bei schweren Ereignissen nicht mehr vorliegt. Fast überlege ich mir schon, die letzte Ausgabe noch zu kaufen, dann hätte ich “für den Rest meines Lebens” das Wissen gesichert.
12. Februar 2008 um 18:03 Uhr
[...] Auch andernorts wird die Information über das Brockhaus-Ende kommentiert; so z.B. hier und hier und auch Robert Basic schreibt: "Brockhaus goes online". [↩]"Alle [...]
12. Februar 2008 um 20:53 Uhr
Eine BE22 ist heute ja nicht auszuschließen. Wenn der Verlag meint, sie könnten das nochmal profitabel verkaufen, steht ja nichts dagegen.
13. Februar 2008 um 08:31 Uhr
Abstimmung mit dem Mausklick…
[german]Es war die Sensation des gestrigen Tages: Das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus verlagert sein Vorzeigeprodukt, die Bockhaus Enzyklopädie, komplett ins Internet. Nachdem im letzten Jahr die Zielmarke von 20.000 verkauften Einheite…
13. Februar 2008 um 09:10 Uhr
Wenn man sich nur mal den enormen Produktionsaufwand hinter einem mehrbändigen Lexikon vorstellt, hat mich schon immer gewundert, wie so etwas profitabel betrieben werden kann. Dass es nur schwer wettbewerbsfähig gegenüber Crowdsourcing-Modellen wie Wikipedia ist, liegt dann auf der Hand.
14. Februar 2008 um 09:54 Uhr
[...] aktuell viel diskutiertes Thema in Feuilletons und Blogs ist die Ankündigung, dass es den Brockhaus zukünftig nur noch online geben wird. Warum da [...]
15. Februar 2008 um 17:36 Uhr
[...] Wikipedistik-Blog: Brockhaus: Das Ende einer Ära. Von Tim Bartel, 12.02.2008. [...]
28. März 2008 um 15:12 Uhr
[...] Die New York Times hat bereits am 16. März den Artikel Start Writing the Eulogies for Print Encyclopedias von Noam Cohen veröffentlicht. Cohen greift die Entwicklung auf, dass mehrere klassische Enzyklopädien wie die Encyclopædia Britannica oder der Brockhaus ihre Printausgaben eingestellt haben und ihre Inhalte online verfügbar machen (siehe auch Brockhaus: Das Ende einer Ära). [...]
21. April 2008 um 19:09 Uhr
[...] sich mittlerweile zur Nr. 1 der Enzyklopädien gemausert, sogar die Brockhaus Enzyklopädie übertrumpft und auch die Britannica Enzyklopädie “kämpft” um die Gunst der Leser. [...]
22. April 2008 um 11:36 Uhr
[...] Vergleich zu Brockhaus, die sich aus dem Print-Bereich zurückziehen wollten (sich allerdings inzwischen wieder anders geäußert haben), scheinen die Erfahrungen bei [...]
31. Mai 2008 um 23:05 Uhr
[...] Allein diese Zahl – welche zum Zeitpunkt der Mitteilung (sofern die Aussagen stimmen) noch nicht einmal verkauft waren – zeigt die Entwicklung bei der Nachfrage nach der gedruckten großen Enzyklopädie [...]
9. Juni 2008 um 09:10 Uhr
[...] dem Artikel “Brockhaus das Ende einer Ära” schreibt Tim Bartel über die Meldung des Brockhaus Verlags, keine 22ste gedruckte Auflage [...]