In der Demoszene wetteifern Coder in Intro-Competitions darum, möglichst beeindruckende Effekte in nur 4 Kilobyte große Binärdateien zu packen. Halbleiterhersteller konkurrieren darum, wer die meisten Transistoren auf einem Die unterbringen kann. Und für das Guinness-Buch der Rekorde knubbeln sich auch schon mal über 30 Personen in und auf einen VW-Käfer.
Eine Reihe von Journalisten hingegen versucht sich im Wettkampf untereinander mit einer enorm hohen Fehlerdichte pro Kurztext zu profilieren. Den Klassiker in dieser Disziplin stellte die unvergessene Zeitschrift TOMORROW auf, die uns 1999 mit dem Abschnitt
WWW. World Wide Web. Dieser Teil der Adresse beschreibt die Organisation, die vereinfacht den Zugang ins Netz ermöglicht. Hier könnte zB auch eine Nummer stehen wie 123.456.789″
einen Höhepunkt bescherte. Oder wie Gisbert Damaschke (nach Wau Holland zitiert) damals treffend feststellte:
Es ist ein Kunststueck eigener Art, so viele Fehler in einen so kurzen Text zu packen. Mein Liebling ist die IP-Adresse mit drei statt 4 Tripeln, von denen 2 auch noch oberhalb von 255 liegen.”
In der heutigen Zeit sind diese Kleinode weitestgehend unerreicht, aber immer wieder gibt es Versuche in die Richtung, die Fehlerdichte möglichst hoch zu treiben. Bereits in der Vergangenheit ist Spiegel-Online positiv in diesem Feld aufgefallen. Heute gab es nach längerer Zeit wieder einen Höhepunkt zu vermelden.
Felix Knoke schreibt im Netzwelt-Ticker:
Wiki-Community verhindert Wurm-Attacke
In einen Wikipedia-Artikel eingefügte Links und eine ganze Spam-Lawine sollte gestern die Malware W32.Blaster verbreiten – aber die Wiki-Community schritt schnell genug ein. Nur Minuten nach der Attacke wurde der Angriff abgewehrt.
Die Mail brüllte laut, wie Spam-Mails eben brüllen: “Wikipedia schlägt Alarm. Neue Variante des W32.Blasters im Umlauf. Wurm-Fix zum Download”. Ein Link zur Wikipedia sollte Vertrauen schaffen: Wer sich gegen die neue Blaster-Variante schützen wolle, müsse nur auf den Blaster-Artikel in der Wikipedia surfen, dort gäbe es die nötigen Updates.
Und tatsächlich: Wer dem Link zur Wikipedia folgte, konnte dort Links zu den Patches finden – samt Hinweis von Microsoft, dass man zu so einem außergewöhnlichen Mittel greifen müsse, da die Microsoft-Downloadserver ausgefallen seien. Natürlich versteckte sich hinter den Downloads nichts anderes als der W32-Blaster, vor dem sich hereingelegte Surfer eigentlich schützen wollten.
Doch unter den Empfängern der Blaster-Spammail muss auch ein Wikipedia-Autor gewesen sein. Der bemerkte schnell, dass eine einfache Änderung des Artikels nicht viel bringen wird. Der Wurm-Autor hatte auf eine History-Version des Artikel verlinkt, diese Versionen lassen sich nicht ändern. Nur wenige Minuten, nachdem die Spam-Lawine losging, sperrte die Wikipedia deshalb den kompletten Artikel.
Alles in allem ist das für einen relativ kurzen Text eine ansehnliche Fehlerdichte. Aber ich werde die Augen nach weiteren Anwärtern offen halten. Bis dahin ersteinmal herzlichen Glückwunsch, Spiegel-Online!
1. November 2006 um 22:42 Uhr
Der gedruckte Spiegel hat es auch geschafft, ein ganzes Heft zum 11.9. abzudrucken, ohne auch nur einmal den Film “Loose Change” http://www.loosechange911.com zu erwähnen.
Auch eine journalistische Meisterleistung! Hut ab!
1. November 2006 um 22:46 Uhr
[...] Was sich Felix Knoke allerdings in seinem Netzwelt-Artikel “Google im Bett mit der CIA?” allein im Bezug auf die Wikipedia geleistet hat, verdient eine Erwähnung. Tim Bartel hat schonmal mit der Fehlersuche begonnen. [...]
1. November 2006 um 22:50 Uhr
[...] Was sich Felix Knoke allerdings in seinem Netzwelt-Artikel “Google im Bett mit der CIA?” allein im Bezug auf die Wikipedia geleistet hat, verdient eine Erwähnung. Tim Bartel hat schonmal mit der Fehlersuche begonnen. [...]
1. November 2006 um 23:36 Uhr
danke dir für diesen beitrag – you made my day!
2. November 2006 um 02:26 Uhr
[...] Was sich Felix Knoke allerdings in seinem Netzwelt-Artikel „Google im Bett mit der CIA?“ allein im Bezug auf die Wikipedia geleistet hat, verdient eine Erwähnung. Tim Bartel hat schonmal mit der Fehlersuche begonnen. [...]
2. November 2006 um 09:49 Uhr
[...] Herzlichen Glückwunsch, Spiegel-Online! (wikipedistik.de, Tim Bartel) Eine Reihe von Journalisten versucht, sich im Wettkampf untereinander mit einer enorm hohen Fehlerdichte pro Kurztext zu profilieren. Drucken del.icio.us digg! Trackback URL [...]
2. November 2006 um 15:06 Uhr
mein lieblinge bisher:
“… da sowohl China als auch Asien …”
aus http://www.spiegel.de/wir...aft/0,1518,440645,00.html
“In dem Land führen Tausende Kilometer Ölleitungen durch das Land.”
aus http://www.spiegel.de/pan...ama/0,1518,415907,00.html
2. November 2006 um 23:45 Uhr
Deutlich geringere Fehlerdichte pro Textlänge, aber dafür den Sinnlos-Preis der Woche erhält hiermit offiziell die Frankfurter Rundschau.
Was genau mag sich nur der Autor dabei gedacht haben?
26. November 2006 um 08:35 Uhr
[...] Nutzung von Wikis als Wissensmanagement unterstützende Systeme in Unternehmen « Herzlichen Glückwunsch, Spiegel-Online! 26.11.06 [...]
29. März 2011 um 23:37 Uhr
ihr erwartet da einfach zuviel von den alten sterbenden medien…