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Ab ins Rampenlicht…

(1. November 2006)


Abgelegt in: Wikipedia-News

Vor zwei Wochen schrieb ich über Jimbos “100 Millionen Dollar Traum”. Diese Story wurde zunächst nicht von den Medien aufgegriffen.

Problematisch ist, dass Jimbo nur vage Andeutungen gibt – und damit Gerüchten und Verschwörungstheorien den Weg ebnet. Aber aus der Vergangenheit habe ich die Lehre gezogen, dass selbst wenn absolut klare Fakten auf dem Tisch liegen, Berichte über die Wikipedia in der Presse manchmal erstaunlich interessant zu lesen sind. Ich frage mich dann oft, ob der betroffene Journalist mutwillig irgendwelche Tatsachen erfindet oder tatsächlich enorme Verständnisschwierigkeiten hat.

Gerne weise ich an dieser Stelle die mitlesenden Journalisten erneut darauf hin, dass sie sich jederzeit bei Unklarheiten oder Fragen an das Wikimedia Presse Team wenden können – wir helfen jederzeit gerne und kurzfristig weiter.

Nachdem Jimbos Frage alleine also kein größeres Interesse auf sich gezogen hat – wenn man mal von der Falschmeldung des IDG-Newsdienstes absieht, die verkündete es solle ein “neues Internetlexikon mit geschützten Inhalten” entstehen, anstatt darüber zu berichten, dass Content “freigekauft” werden soll, damit er unter anderem auch in Wikimedia-Projekten genutzt werden kann, taucht kurze Zeit später ein Blogposting von Jason Calacanis auf. Und siehe da… auch hier geht es um 100 Millionen Dollar.

Calacanis schreibt über ein Essen mit Jimbo, bei dem er ihm nahegelegt hat, Werbung in der Wikipedia zu schalten. Diese beiden Nachrichten zusammen haben plötzlich einen deutlich höheren Wert. Hierüber lohnt es sich zu spekulieren.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass an der Geschichte nichts dran ist. Was auch niemanden verwundern dürfte, der sich in der Vergangenheit bereits mit dem Thema “Werbung in der Wikipedia” beschäftigt hat. Mittlerweile hat Jimbo das in seinem Blog (zum wiederholten Male) klargestellt. An Calcanis kann er sich übrigens nicht erinnern – sonderlich beeindruckt hat ihn der Vorschlag also wohl eher nicht. Dieser kann sich trotzdem in den letzten Tagen erhöhter Aufmerksamkeit erfreuen – geschickt.

Um es ein weiteres Mal festzuhalten:

  • Die Wikimedia Foundation (bzw. früher Jimmy Wales) hat die Schaltung von Werbung in der Wikipedia nie gänzlich ausgeschlossen.
  • Solange andere Finanzierungsmittel zur Verfügung stehen, gibt es keinen Bedarf für Werbung.
  • Die WMF hat momentan keinen Finanzengpass.
  • Sollte Geld knapp werden, so wird es zuerst andere Beschaffungsversuche geben – z.B. erneute Spendenaufrufe.
  • In naher Zukunft wird es keine Werbung in der Wikipedia geben.

Das sollte erst einmal deutlich genug sein.

Das Thema Werbung in Wikipedia wurde kürzlich auch in Wikipedia Weekly 3 (~ ab der 12. Minute) behandelt.

Da ich mich in diesem Posting ein wenig über die schwarzen Schafe der Presse auslasse, nutze ich ebenfalls die Gelegenheit, auf Positivbeispiele hinzuweisen. Trotz der ein oder anderen kleineren Ungenauigkeit gibt es zwei Journalisten, die regelmäßig erstaunlich korrekt über unsere Pläne berichten – das sind
Torsten Kleinz (heise, Frankfurter Rundschau, …) und Hans-Christian Dirschl (PC-Welt, Süddeutsche, …).

Ersterer hat heute ebenfalls das Thema aufgegriffen. Zweiterer kämpft allerdings gerade mit erwähnten Ungenauigkeiten :-)

10 Kommentare zu “Ab ins Rampenlicht…”

  1. Torsten schrieb:

    Hallo Tim,

    dake für das Lob, aber ich hab noch leichte Verständnisschwierigkeiten. Deine Aussagen decken sich nämlich nicht ganz mit denen von Jimmy Wales

    Bei Heise schreibst Du:
    > es geht nicht darum, dass
    > eine ominoese Person der WMF 100 Millionen Dollar zur Verfuegung
    > stellt, damit die etwas damit anstellen kann. Es geht darum, dass
    > eine ominoese Person existiert, die daran interessiert ist, 100
    > Millionen Dollar fuer einen guten Zweck auszugeben und sich dafuer
    > Tipps und Anregungen bei der WMF, bzw. den Wikipedianer holt.

    Jimmy Wales erzählt es beim National Public Radio anders:

    “It’s more than an abstract question, but we’re not really talking about a donation per se. We’re thinking about – you know, we have people who are interested in thinking about how they can make this into a sustainable thing. Something with a business model, where they’re able to take the content and use it in conjunction with Wikipedia in a way that they can actually continue to
    fund liberating more and more stuff.”

    Und auch im Blog spricht er nicht von einem externen Geldfluss:

    “We can make money to further our charitable goals (which go far beyond having a most most excellent website, as most people who read this will understand) in a lot of other ways by leveraging our brand into radio, television, games, etc.”

    Demnach geht es also um ein Geschäftsmodell, mit dem die WMF mittelbar Geld für wohltätige Zwecke verdienen könnte.

    Nach Wales Blogeintrag ist Werbung auch nicht nur eine Option, wenn sonst die Wikipedia mehr zu betreiben ist. Er würde Werbegelder explizit für andere Zwecke einsetzen als den Betrieb der Wikipedia. Er sieht eine Community-Enscheidung als ausschlaggebend, keine akute Geldnot. Übrigens verlangt Wales in seinem Posting auch explizit eine Entscheidung gegen Werbung: “we need to make the decision to turn down ads in a responsible and serious manner.” Sprich: Mittelfristig wird die Community dazu befragt werden. Vielleicht parallel zu den Wahlen zum vergrößeren Board – solche Sachabstimmungen werden in den USA ja sehr häufig kombiniert.

  2. Tim Bartel schrieb:

    Bzgl. des ersten Punktes habe ich Jimbo noch einmal per Mail gebeten, hier ein wenig Klarheit in die Sache zu bringen. Vielleicht habe ich seine Mails bzgl. des Themas ja bisher auch missverstanden (ich glaube nicht).

    Zu meiner Klarstellung: Das muss ich dann vielleicht doch noch etwas genauer ausführen. Die von mir beschriebene Situation hat Jimbo bis ~2004 immer ähnlich dargelegt. Ab 2004 hat er mehrfach laut in der Öffentlichkeit über die Möglichkeit nachgedacht, wie die WMF Werbeeinnahmen sinnvoll umsetzen könnte. Zum Beispiel um Entwicklungsländern Bücher zur Verfügung zu stellen oder dort Medienzentren zu errichten.

    Die von mir beschriebene Haltung (Werbung als letzte Option bei akuter Geldnot) gibt [immer noch] die offizielle Sicht der WMF wieder. Wobei die entsprechenden Einzelpersonen davon durchaus abweichende Meinungen haben können.

    Ich finde es ebenfalls wichtig, über Geschäftsmodelle nachzudenken, da auch ich die reine Spendenfinanzierung (aller Wahrscheinlichkeit nach wird es dieses Jahr noch einen Fundraiser geben) auf Dauer nicht für allzu tragfähig halte. Dann aber bitte ohne Werbung.

    Zur Befragung der Community: Das passiert im Grunde ja laufend. Das Thema “Werbung in der Wikipedia” ist auf den Mailinglisten ein immer wiederkehrendes Thema und sowohl in der englischsprachigen, als auch in der deutschsprachigen WP gab es in der Vergangenheit Community-Abstimmungen zu dem Thema.

    Was ich persönlich vermisse, ist die vor langer Zeit vorgeschlagene “Opt-In”-Werbemöglichkeit, die ein angemeldeter Nutzer (der die WMF unterstützen möchte) explizit in seinen Optionen anschalten könnte. Mir ist niemand bekannt, der dagegen Einwände hätte (die Einkünfte wären natürlich deutlich niedriger, aber IMHO durchaus substantiell).

  3. Torsten schrieb:

    Du sprichst von der offiziellen Haltung der WMF. Auf was beziehst Du Dich da? Für mich als Externen ist es höchst schwer aus dem Stimmengewirr von Interviews, Wikis, Blogs, Mailinglisten und höchst seltenen Pressemitteilungen eine offizielle Haltung herauszulesen.

    Von der Opt-In-Lösung mit Google-Ads o.ä. halte ich wenig – selbst wenn sich zehn Prozent der aktiven Wikipedianer dafür bereit erklärt, wäre der Ertrag gering. Diese Leute spenden wohl auch lieber. Und die lukrativen Werbekunden haben sicher kaum Interesse an Leuten, die pro forma Klicks ansammeln.

    Wahrscheinlicher ist IMHO eine Opt-Out-Lösung wie beim Bildblog: wer ein Cookie setzt, kann die Werbung einfach abschalten.

  4. Tim Bartel schrieb:

    Ja, das Problem mit der Kommunikation wieder… du hast vollkommen Recht. Es ist oft kompliziert zwischen offiziellen und persönlichen Standpunkten zu unterscheiden.

    Die Formulierung “Die offizielle Haltung der WMF ist, dass Werbung in der Wikipedia nur als letzte Option zur Finanzierung bei akuter Geldnot in Frage kommt (oder falls sich ein deutlich überwiegender Teil der Wikipedianer dafür ausspricht).” habe ich mir gerade noch einmal explizit von Arne (Klempert) absegnen lassen.

    Die Opt-Out-Lösung wird von einem großen Teil der Wikipedianer (auch mir) erst einmal abgelehnt, da sie bspw. den großen Teil der (nicht angemeldeten) Nutzer erwischt, die über eine Suchmaschine zu uns kommen. Auch diese wollen wir eigentlich nicht mit Werbung belästigen. Zweifelslos ist eine Opt-Out-Variante natürlich besser als ein Zwang.

    Die Opt-In-Lösung sehe ich nicht als so sinnlos an, wie du sie empfindest. Natürlich hast du Recht, dass die Klientel für die Werbetreibenden uninteressanter sein dürfte. Ohne jetzt nähere Studien durchgeführt zu haben, gehe ich aber davon aus, dass meine Schätzung, dass pro Monat mehr als 5.000 Dollar zusammenkommen sehr konservativ ist (das müsste man natürlich auf jeden Fall noch mal genauer durchrechnen). Im Vergleich zu einer Opt-Out oder einer Zwangswerbung (die aller Wahrscheinlichkeit nach inzwischen weit über 1 Millionen Dollar pro Monat bringen würden) ist das natürlich ein Witz. Nichtsdestotrotz hätte sich der Implementierungsaufwand schnell amortisiert.

  5. Torsten schrieb:

    Danke für die Auskunft.

    Da der Zuschnitt und Aufgabenverteilung der Kommitees ja jetzt formeller geregelt und eine WMF-PR aufgebaut werden soll, erwarte ich Besserungen in der Kommunikation. Formell kann Arne ja derzeit ja nicht für die WMF sprechen.

    Der Implementierungsaufwand wäre nicht das Argument gegen ein Opt-In–Werbemodell. Allein die Existenz irgendeines Werbeprogramms senkt den Markenwert mehr als so eine Aktion einspielen würde. So verstehe ich Jimmys Äußerungen auch: Wenn schon Werbung, dann soll damit viel Gutes bewirkt werden. Auf den Wert der Marke verweist er auch öfters.

    PS: Glückwunsch zur Abgabe.

  6. Kurt Jansson schrieb:

    Glückwunsch auch von mir! :-)

  7. Tim Bartel schrieb:

    Danke euch beiden…

    Ich muss allerdings gestehen, dass ich eine Verlängerung um 2 Wochen in Anspruch genommen habe um noch eine Fallstudie aufzunehmen. Den Termin oben auf der Seite müsste ich also noch anpassen. *seufz*

  8. Björn Hoffmann schrieb:

    Gibt es die Studie dann auch zum Download?

  9. Tim Bartel schrieb:

    Hallo Björn, schön dich hier wiederzusehen.

    Ja, ich plane die Diplomarbeit nach der Korrektur/Bewertung zu veröffentlichen. Ein entsprechender Hinweis/Link wird sich dann hier im Blog finden und auf der Umfrage-Seite.

    Ich spiele ja auch immer noch mit dem Gedanken die anonymisierten Rohdaten der Erhebung zur Verfügung zu stellen, aber das ist immer noch nicht so ganz klar.

  10. links for 2006-11-01 at synapsenschnappsen schrieb:

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