Nicholas Carr greift in seinem Weblog Rought Type das ewig schwelende Inklusionisten vs. Exklusionisten-Problem auf.
Das Thema ist nicht neu – auf der einen Seite gibt es eine Gruppe von Inklusionisten, die unter anderem mit der unterstützenden Begründung “Wikipedia is not paper” die Meinung vertreten, dass jeder Artikel beibehalten werden sollte.
Der vielleicht bekannteste Inklusionist, der in der deutschsprachigen Wikipedia immer wieder zeigt, dass man zu enzyklopädisch scheinbar irrelevanten Themen lesenswerte und exzellente Artikel schreiben kann, ist Achim Raschka. Ihm verdankt die Wikipedia Artikel über die Warschauer Straße in Berlin, jüdische Friedhöfe in Lippstadt und den Jahresartikel 1974. Ein weiteres sehr schönes Beispiel eines Artikels über ein vermeintlich triviales Thema stellt das Lemma Drei Chinesen mit dem Kontrabass dar.
Auf der anderen Seite stehen die Exklusionisten, von Carr als Deletionists bezeichnet. Diese Gruppe vertritt die Meinung, dass es für eine seriöse Enzyklopädie notwendig ist, triviale und unpassende Artikel zu löschen um eine hohe Qualität halten zu können. “Wikipedia is not a junkyard.” Sie sorgen dafür, dass die “Löschhölle” immer gut gefüllt bleibt. Für die Exklusionisten sind die Relevanzkriterien die häufigste Begründungsgrundlage – die Inklusionisten bedienen sich aber ebenfalls dieser Liste.
Verständlicherweise kommen diese beiden gegensätzlichen Lager ständig miteinander in Konflikt. Carr zitiert Jeff Atwood, der es auf den Punkt bringt:
The inclusionist versus deletionist debate is as firm and strong as the abortion debate, gun control debate, or the death penalty debate.
Vermutlich liegt die beste Lösung wie üblich irgendwo zwischen den beiden Extremen. Das Problem besteht darin, dass eine Abgrenzung nicht möglich zu sein scheint. Dies führt aufgrund der Einzelfallentscheidungen in der Löschhölle immer wieder zu paradoxen Situationen. So ist es nicht unüblich, dass bei zwei ähnlich gelagerten Artikeln einer gelöscht wird und der andere in der Wikipedia verbleibt.
Carr kommt zum Schluß, dass ein Fork notwendig sei, der zeigen soll, welche Wikipedia die Nutzer eher unterstützen würden.
PS: In einem späteren Posting greift Carr das Thema noch einmal auf und relativiert den Kampf der beiden Gruppen durch die Aufzählung “einiger” weiterer, die neben den beiden genannten existieren.
(via Helge und Social Software)
17. September 2006 um 16:14 Uhr
Ich finde hier fehlt eindeutig der Link zum Ur-Wiki und dem Artikel:
http://c2.com/cgi/wiki?DisagreeByDeleting
Der die ganze Weisheit der Wikis gut zusammenfasst.
13. Dezember 2006 um 00:56 Uhr
[...] Letztlich geht es ja nicht um „Kollektiv“ und „Individuum“, sondern (meiner Ansicht nach) um Zufall gegen Planung und dann um Entscheidungs- und Gestaltungs-Macht. Wie die Debatte zwischen Exklusionisten und Inklusionisten zeigt, ist das Spannende (und zugleich Ärgerliche) an Wikipedia die Rolle des Zufalls bei der Auswahl und Gestaltung der Artikel. Die Exklusionisten wollen alle “seichten” Einträge, die nicht in ein richtiges, akzeptiertes Lexikon mit kanonisiertem, wissenschaftlichen Wissen gehören, aus Wikipedia streichen. Aber zuweilen gehören gerade die Artikel über die so genannten Trivia zu den besseren (weil persönlicheren); zum anderen machen gerade diese Artikel den interessante Mix von Wikipedia aus. Es gibt keinen „Masterplan“, der top-down die Wissensinhalte strukturiert, sondern die Inhalte entstehen bottom-up und chaotisch – wie das Internet als Ganzes ja auch. Und wie ich das verstehe, ist gerade das chaotische Entstehen eines [...]
25. Juli 2007 um 13:10 Uhr
Nie vergessen bitte: „Association of Wikipedians Who Dislike Making Broad Judgments About the Worthiness of a General Category of Article, and Who Are in Favor of the Deletion of Some Particularly Bad Articles, but That Doesn’t Mean They Are Deletionists“ oder zu deutsch die „Vereinigung von Wikipedianerinnen und Wikipedianern, die undifferenzierten Urteilen über den enzyklopädischen Wert ganzer Themenbereiche kritisch gegenüberstehen, jedoch die Löschung besonders schlechter Artikel unterstützen, ohne deshalb Deletionisten zu sein“! :-)
20. Oktober 2009 um 22:34 Uhr
[...] Background für die Aufritte seines Vorsitzenden Christian Bahls dient, ein alter Streit innerhalb der Wikipedia-Community in den Fokus einer etwas breiteren Netzöffentlichkeit geraten. Da es bei diesem Streit um [...]
21. Oktober 2009 um 10:33 Uhr
[...] Background für die Aufritte seines Vorsitzenden Christian Bahls dient, ein alter Streit innerhalb der Wikipedia-Community in den Fokus einer etwas breiteren Netzöffentlichkeit [...]
21. Oktober 2009 um 11:09 Uhr
[...] Ich frage mich auch, was man dadurch erreichen will. Eine zielführende Diskussion über Inklusionismus und Exklusionismus wohl eher [...]
25. Oktober 2009 um 14:59 Uhr
Ein Beitrag von mir in der Diskussion um JAKO (Ein Sportartikelhersteller der einen Blogger unter seltsamen Umständen abmahnte, dadurch etwas bekannter wurde; dieser Voragng sollte allerdings keinen Eingang in den Wikipediaartikel finden), der hier auch gut reinpasst und meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf trifft:
“An diesem Beispiel wird mal wieder deutlich, daß die DEUTSCHE Wikipedia als Informationsquelle einfach unbrauchbar ist! Den Sinn eines digitalen Lexikons, dem das Papier oder der Platz nicht ausgehen kann, hat man bei den deutschen Wikipedianern einfach nicht verstanden, sonst würden nicht ständig Informationen gelöscht oder gekürzt, vorzugsweise aus Relevanzgründen (der größte Witz in einem von Subjekten geführten Projekt => jedes Relevanzkriterium ist subjektiv) oder aus anderen Gründen wie hier. Wie in der deutschen Wikipedia ständig Wissen vernichtet wird ist kaum auszuhalten, zu so gut wie jedem (wenn nicht speziell deutschen) Thema finde ich in der englischen Wikipedia bessere und mehr Informationen![...]Wenn das hier in der deutschen Wikipedia so weitergeht, ist sie selbst bald nicht mehr relevant *grins* ”
Deswegen beteilige ich mich schon länger nicht mehr an der Wikipedia (seit ca 2005/2006 nicht mehr), spende auch nichts mehr und schaue, außer bei stark deutschlastigen Themen, lieber in der englischen Wikipedia nach, Beispiel:
Neulich wollte ich etwas über Resident Evil 2 wissen (ein PC- und Konsolenspiel). In der dt. Wikipedia gibts nur einen einzigen (unbrauchbaren) Sammelartikel für die doch recht zahlreichen Spiele dieser Reihe, der jeden Titel ziemlich lieblos mit 2 Absätzen abhandelt und keine näheren Informationen liefert: http://de.wikipedia.org/wiki/Resident_Evil . Man vergleiche das mal mit dem ausführlichen und liebevollen englischen Übersichtsartikel http://en.wikipedia.org/wiki/Resident_Evil und dem dann nur zu diesem Titel der Serie gehörigen speziellen Artikel (mit ausführlichen Plot, Charakteren, Hintergründen, Infobox mit Cover, ein Haufen Quellen, Weblink zu einer Fanseite etc pp: so wie man es sich wünscht als Informationsbedürftiger) http://en.wikipedia.org/wiki/Resident_Evil_2 , der dann auch für mich alle relevanten Informationen enthielt. _Darum_ auch der Hinweis auf die für mich nicht mehr gegebene Relevanz von der deutschen Wikipedia bei meiner Informationsbeschaffung!
Warum dann das Ganze wenn mit die dt. Wikipedia am Hintern vorbeigeht? Ganz einfach: ich hätte doch ganz gern eine ausführliche Informationsquelle wie die engl. Wikipedia in meiner Muttersprache.
27. Oktober 2009 um 15:44 Uhr
Diskussion um Wikipedia-Relevanzkriterien…
Der Streit zwischen Inkludisten und Exkludisten der Wikipedia ist Stichwort: MOGIS mal wieder aufs heftigste entbrannt und schlägt diesmal (überraschend?) hohe Wellen. Leider kann ich mich da aktuell nicht im Detail drum kümmern, möchte aber (für s…
20. November 2009 um 17:37 Uhr
[...] der Wikipedia knallt es heftig. Darüber habe ich Anfang der Woche im Feuilleton der SZ berichet: Exklusionisten kämpfen gegen Inklusionisten und streiten über die Relevanzkriterien von Artikeln. Und die Möglichkeit, dem mit Wikipedia [...]