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Im ein-stündigen Opening Plenary der Wikimania 2006 hat Jimmy Wales einige Punkte aufgeführt, die für Wikipedianer nicht wirklich neu sind – dafür aber einige Projekte zum ersten Mal offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wer nicht die Stunde Zeit hat, sich die Rede anzuhören findet hier eine Zusammenfassung aller angeschnittenen Punkte:

Zum Einstieg zeigte Jimbo das Stephen Colbert Video – welches thematisch gleich zu mehreren der angesprochenen Punkte (Qualität, “Seighenthaler”, Stabile Versionen) passt.

Nach ein paar Worten zu den Milestones des letzten Jahres (Quantität der Artikel in den verschiedenen Wikipedias) sprach er über die Seigenthaler-Affäre (“Apparently there was an error in Wikipedia”) und den Nature-Test. Hier wies er nocheinmal deutlich darauf hin, dass dieser für die Wikipedia sehr glücklich ausgegangen ist und ein Vergleich in einem anderen Bereich als den Naturwissenschaften vermutlich nicht zu einem vergleichbar positiven Ergebnis gekommen wäre.

Vordringliches Ziel der Wikipedia muss es sein, die Qualiät weiter zu erhöhen – hierauf geht Jimbo später im Verlauf der Rede noch einmal ein. Nach einem kurzen Abriss über die Foundation (von Jimbo im Schlafanzug vor dem Computer bis zu den jetzigen 5 Angestellten) und dem Ausblick auf mögliche Fördergelder folgt die Vorstellung von Brad Patrick.

Während das kommerzielle Wikia (ehemals Wikicities) inzwischen den meisten ein Begriff sein müsste – spätestens nachdem die Presse ausführlich über Jimbos Idee von Campaign Wikis berichtet hatte – ist es vielleicht noch nicht allen bekannt gewesen, dass in diesem Rahmen Programmierer für die Arbeit an MediaWiki bezahlt werden.

Und als größte “offizielle” Neuigkeit und damit den Gerüchten ein Ende setzend wurde das Ergebnis der erfolgreichen Zusammenarbeit von One Laptop Per Child (OLPC) – in Deutschland eher als 100$-Laptop bekannt – und der Wikimedia Foundation bekannt gegeben: Das Gerät wird als Killerapplikation Wikipedia-Artikel enthalten.

Wikipedia auf dem OLPC (Bildmontage)
Wikipedia auf dem OLPC-Laptop (Bildmontage) / CC-BY-SA

Nach endlos langen Diskussionen wird jetzt auch das neueste Wikimedia-Projekt – die Wikiversity – offiziell angekündigt. Das Projekt zur Erstellung von freien Unterrichtsmaterialien soll in Kürze gestartet werden.

Das Advisory-Board ist ein weiterer Punkt, der in Planung ist. Ziel ist es durch prominente Mitglieder (eine umfangreiche Diskussion dazu findet sich in der Foundation-Mailingliste) Vorteile für die Foundation zu erzielen.

Interessant für mich war die Ankündigung, dass mit Socialtext zusammen an einem WIKIWYG-Editor (Wiki-WYSIWYG) gearbeitet wird. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Versuche den bekanntesten inline WYSIWYG-HTML-Editor FCKeditor mit MediaWiki zu verheiraten. Es gibt zwar halbwegs funktionierende Extensions, aber in der Wikipedia hatte diese Lösung bisher keinen Platz, weil die Zusammenarbeit mit dem Parser nicht einwandfrei klappt. Dieses Problem haben allerdings auch andere Projekte. Hier darf man also gespannt sein ob es gelingt eine vernünftige WYSIWYG-Oberfläche für die Wikipedia zu schaffen, die es “weniger technikaffinen Experten” ermöglicht, sich an der Erstellung der Enzyklopädie zu beteiligen.

In diesem Zusammenhang verweise ich mal auf diesen Screencast des Herstellers System One, der schön zeigt, wie man “Web 2.0-Features” mehr oder weniger sinnvoll mit Wikis vereinigen kann.

Die wichtigste Forderung des Vortags erneut aufgreifend, fordert Jimbo eine Qualitäts-Initiative in den einzelnen Wikipedias – allen voran der englischsprachigen Version. Ich hatte gehofft, dass er hier erneut wie in der Vergangenheit die guten Ansätze der deutschsprachigen Wikipedia herausstellt, was er leider nicht getan hat. Unter anderem ging er auf die Fortschritte bei der Überprüfung von Biographien lebender Personen ein, auf die Fair-Use-Problematik (wo er klarstellte, dass Fair-Use unter Umständen genutzt werden kann, aber frei lizenzierte Inhalte auf jeden Fall vorzuziehen sind) und Stabile Versionen.

Bei den Stabilen Versionen, deren Sinn er erläuterte indem er unter anderem den Unterschied zu halb-gesperrten Seiten verdeutlichte, verwies er vor allem auf die deutschsprachige Wikipedia, die in diesem Bereich die Vorreiterrolle spielt. Eine Einführung ist in Kürze zu erwarten (ja, diesmal echt…)

Zum Schluß griff Jimbo kurz einige seiner Forderungen aus seinem letzjährigen Manifest “10 things that will be free” auf. So sieht es sowohl bei der “befreiten Enzyklopädie” dank der Wikipedia gut aus und auch die Befreiung der Wörterbücher macht mit WiktionaryZ Fortschritte. Das Projekt hat große – noch nicht sichtbare – Fortschritte zu verzeichnen (gerade im Bezug auf die Internationalisierung), die so auch der Wikipedia zugute kommen werden. Hier wird sicherlich dieses Jahr noch etwas passieren.

Auch die Befreiung der Lehre ist durch den Wachstum von Wikibooks und dem kommenden Start der Wikiversity ein wenig weiter vorangeschritten. Jimmy erzählte von einem Treffen mit Taddy Blecher, der eine Freie (und kostenlose) Universität in Süd-Afrika betreibt. Einer der Hauptkostenpunkte ist hier der Bereich der nicht-freien Lernmaterialien. Hier ist ein guter Punkt zur Zusammenarbeit gegeben.

Im Anschluß an den Vortrag wurde noch eine Frage zu den Stabilen Versionen gestellt, auf die Jimbo eine Antwort gab, mit der ich nicht übereinstimme – er meint, dass das KISS-Prinzip, das sich in der Wikipedia bewährt hat/hätte, auch bei diesem Feature beibehalten werden würde und weniger auf die a priori-Diskussion Wert gelegt wird, in der sich oft neue Features “zerreden”. Wenn ich mir die ganzen Vorbereitungen, Abwägungen und Gedanken anschaue, die im Vorfeld der Implementierung des Stabilen-Versionen-Features durchgeführt wurden, kann ich dem nicht zustimmen.

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