Köln oder der Kurzkopfgleitbeutler?
Chiptunes oder die Olsen-Bande?
Die Evoke oder die Plattentektonik?
Alfred E. Neumann oder Helmut Kohl?
… oder doch die Computerkatze?
Augenscheinlich ist es nicht immer leicht, beliebige Lemmata gegeneinander zu gewichten und eines als wichtiger herauszufiltern, als das andere.
Schon bei der Betrachtung eines einzelnen Lemmas stellt sich die Relevanzfrage, die so ziemlich seit Anbeginn der Wikipedia, bzw. seit Anbeginn jeder Enzyklopädiezusammenstellung aufkommt und die Wikipedianer in Inklusionisten und Exklusionisten teilt. Ist ein Begriff relevant genug, um ihn in eine Enzyklopädie aufzunehmen? Ziel von Diderot und d’Alembert war die Sammlung des gesamten menschlichen Wissens – aber gehören da auch die Kuchenrezepte meiner Großmutter zu?
Für immer wiederkehrende Artikelgegenstände (Bands, Politiker, Unternehmen, …) haben sich nach langen Diskussionen in der Wikipedia Relevanzkriterien herausgebildet, auf die die Benutzer sich geeinigt haben. Trotz allem kann dies nur als Richtschnur gelten – eine Relevanzentscheidung ist immer eine Einzelfallentscheidung. Bei Themen, die nicht durch die Relevanzkriterien berücksichtigt sind, fällt dies in der Regel schwerer.
Dennoch ist sich bei vielen Themen die Mehrheit sicher, dass dieses Thema relevant ist oder nicht, ohne genau begründen zu können, wie sie zu dieser Ansicht kommen. In anderen Beispielen fällt eine Begründung leichter, aber allgemeingültige Relevanzkriterien festzuzurren ist eine extrem schwierige Aufgabe.
Ausgelöst durch einen überraschend guten Artikel von Stacy Schiff im Magazin “The New Yorker” ist in der Mailingliste der deutschsprachigen Wikipedia ab diesem Posting erneut die Diskussion entflammt, wie man zwei Lemmata gegeneinander gewichtet und welche Konsequenzen man daraus zieht.
In klassischen gedruckten Enzyklopädien ist man aus mehreren Gründen gezwungen eine Gewichtung vorzunehmen:
Grund 1: Jede Zeile kostet Geld. Jemand muss sie schreiben und sie verbraucht Papier, Druckerfarbe, Lohn für den Setzer.
Grund 2: Jede Zeile in einem unwichtigen Artikel nimmt (wenn man bei Grund 1 irgendwann an eine Höchstgrenze kommt) einem anderen Artikel Platz weg.
Beide Gründe gelten in dieser Form bei Wikipedia (et al.) nicht. Mathias Schindler
Aus diesen Gründen folgt vereinfacht, dass man aus der Länge eines Brockhaus-Artikels auf seine “Wichtigkeit” zurückschliessen können sollte. Journalisten, die über die Wikipedia schreiben, kritisieren oftmals, dass ein Artikel über das vermeintlich unwichtigere Thema Star-Wars länger ist, als vermeintlich wichtigere Lemmata wie z.B. Theodore Roosevelt.
Da die Wikipedia diese Beschränkungen nicht hat, besteht die Frage ob man überhaupt eine Gewichtung vornehmen sollte und was man damit bezweckt.
Interessant sind dann vor allem die Fragen:
* Wer bewertet die Relevanz und damit die Länge?
* Auf welchem Maßstab tut er das?
* Was vergleicht er überhaupt miteinander?
Achim Raschka
Das Interesse an einer Gewichtungs-Einschätzung durch den Nutzer ist gross und auch nicht neu. Auf einen Vorschlag hin hat Magnus Manske das Tool “Weight articles“ realisiert, welches dem Nutzer zwei Lemmata vorlegt und diesen entscheiden lässt, ob ein Lemma wichtiger – oder sogar viel wichtiger – ist, als ein anderes. Somit entsteht eine Relevanzeinstufung per Abstimmung.
An dem Tool wird noch gearbeitet, aber es ist schon benutzbar. Zum einen wird vermutet, dass sich eine Gewichtung herauskristallisiert, die ähnlich wie bei herkömmlichen Lexika aussieht, andere befürchten, dass Episodenlisten von Spongebob-Schwammkopf oder Artikel zu Science-Fiction-Themen als wichtiger eingestuft werden als Goethe oder Mozart. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein – welche Konsequenz man dann schliesslich daraus zieht, bleibt offen.
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