Die englischsprachigen Kollegen haben gerade ein Problem, was uns von der deutschsprachigen Wikipedia doch irgendwie bekannt vorkommt…
Im Mai 2005 – kurz vor dem nordrhein-westfälischen Wahlkampf – wurde unter anderem ein wenig an den Artikeln von Peer Steinbrück und Jürgen Rüttgers geschraubt. Diese Änderungen gingen von IPs aus dem deutschen Bundestag aus.
Nachdem das Thema zuerst in der Blogosphäre aufgegriffen wurde (etwa yamb, netzpolitik.org, …) schwappte es dann auch sehr schnell in die Presse über – als erstes z.B. in die Netzzeitung. Eine gute Zusammenfassung der ganzen Geschichte gibt der Artikel von Torsten Kleinz bei Telepolis.
Auch das US-Repräsentantenhaus hat mittlerweile herausgefunden, dass eine Vielzahl von Wählern die Wikipedia nutzt. So berichtet ein Artikel in der Lowell Sun Online über verschiedene “Verbesserungen” an Artikeln von Politikern, die sich entsprechend zurückverfolgen lassen. Diese bestanden aus der PR-Aufhübschung der eigenen Seite, bzw. der Abwertung der Einträge der politischen Gegner.
Nachdem nun mehrfach IPs temporär gesperrt wurden, wird jetzt darüber diskutiert, den US-Senat permanent zu sperren.
Nachtrag: golem berichtet jetzt auch drüber.
31. Januar 2006 um 12:23 Uhr
Wikipedia und Biografien…
Unter US-Politikern ist es offensichtlich Mode geworden Mitarbeiter damit zu beauftragen das Projekt Wikipedia zu sabotieren, indem man sie die eigene Biografie fälschen lässt. Siehe: Golem Artikel.
Es ist zwar traurig mitanzusehen wie die Regierun…..
31. Januar 2006 um 19:02 Uhr
Ich muß zugeben, ich mußte schon ein wenig schmunzeln, als ich den Beitrag las. Ich kann ehrlich gesagt sogar beide Seiten verstehen. Warum soll der politische Gegner, von dem man teilweise böse Sachen weiß, in der WP so gut darstehen und warum wird die eigene Vergangenheit in der WP so schlecht dargestellt? Daß solche Änderungen diversen Usern gegen den Strich geht ist aber auch klar, da scheint eine temporäre Sperrung sogar sinnvoll, vielleicht lernt jemand etwas daraus. Und vielleicht ist diese Lehre nicht die, daß man andere Rechner benutzt.
1. Februar 2006 um 17:28 Uhr
Ip´s sperren bringt meiner Meinung nach in so einem Fall nichts. höchstens temporär.
Ich denke eher, dass solche Manipulationsversuche zu den Schattenseiten einer frei editierbaren Enzyklopädie gehören. Es kann halt niemand sicher sein, dass der Artikel den er gerade liest, auch richtig ist.
1. Februar 2006 um 17:37 Uhr
Im Grunde gilt diese Skepsis natürlich für alle Quellen – hier natürlich besonders. Die Bewertung der Einträge in der Wikipedia erfordern auf jeden Fall eine erhöhte Medienkompetenz.
Mehr zum Thema findet sich auch in diesem Artikel bzw. in den Kommentaren hier.
2. Februar 2006 um 17:37 Uhr
Wikipedia Verbot für US-Politiker…
Das Onlinelexikon Wikipedia hat die IP Adressen des US Kongresses zweitweise auf Eis gelegt. Politiker können keine Artikel mehr schreiben oder verändern. Einige Politiker haben in der letzten Zeit Ihre eigenen Lebensläufe etwas zu Ihren gunsten ve…
5. Februar 2006 um 11:23 Uhr
Ein Grund für dieses Problem ist auch die verbreitete Interpretation des NPOV, unbedingt auch ‘die andere Seite’ zu Wort kommen lassen zu müssen.
Das führt oft dazu, dass selbst sehr lückenhafte Artikel einen fetten Abschnitt mit “Kritik” beinhalten, der sich überdies sehr häufig auf sehr aktuelle oder anekdotische Vorgänge bezieht. Wenn ein Interview schwerer wiegt als 20 Jahre Sacharbeit, ist das eine Verzerrung.
In der aktuellen Berichterstattung ziehen schlechte Nachrichten natürlich mehr Aufmerksamkeit auf sich, eine Nachbetrachtung muss aber auch Gegengewichte schaffen. Tendentiell passiert das in der Wikipedia, aber es ist eher der letzte Schritt.
14. Februar 2006 um 01:06 Uhr
Ein ganz guter Rückblick-Artikel von Torsten Kleinz zu der Geschichte findet sich bei Telepolis.
27. April 2006 um 12:27 Uhr
[...] Im Januar “verbesserten” Mitglieder des US-Repräsentantenhauses ihre eigenen Artikel oder fügten entsprechend abwertete Kommentare in die der politischen Gegner ein. Ich bloggte das hier und wies darauf hin, dass wir einen vergleichbaren Fall zuvor im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen hatten. Der Wahlkampfleiter der Gouverneurs-Kandidatin für den US-Bundesstaat Georgia Cathy Cox – Morton Brilliant – hat es am 12. April für angebracht empfunden, in die Biografie des Gegenkandidaten Mark Taylor anonym den Fakt einzubringen, dass der Sohn Taylors betrunken einen Autounfall verursacht hat bei dem der Beifahrer starb. [...]